Tag-Archiv für » Streichquartett «

18 | 07 | 2009

Graue Masse

Geschrieben von um 21:07 Uhr

Wie klingt es, wenn ein Streicherensemble das Feuern der Neuronen in unserem Neocortex spielt? Wie kammermusikalische Capriccios größter Intensität, wie “Cortical Songs”. Die viersätzige Komposition von John Matthias und Nick Ryan basiert auf einer Theorie über die Arbeitsweise unseres Gehirns. Ein entsprechend programmiertes neuronales Netz erzeugt die Spielanweisungen für die Musiker — unter Livebedingungen, so dass jede Einspielung des Stücks anders ist. Das Album ist bei Nonclassical Records erschienen, zu dessen Label-Philosophie es gehört, die Werke junger Komponisten von Elektronika-Produzenten remixen zu lassen. Doch Nonclassical ist nicht nur ein Label, es ist auch eine recht erfolgreiche Club Night in London. Hier wird die europäische Konzertmusik aus dem bürgerlichen Kontext des schweigend zuhörenden Publikums gelöst. Es darf gegessen, getrunken, geredet, gelacht und vor allem getanzt werden. Es darf aber auch zugehört werden — vor allem bei den Cortical Songs, die immer neu durch die graue Substanz unseres Großhirns rauschen.

John Matthias & Nick Ryan – Cortical Songs

Tags » , , , «

+

18 | 07 | 2009

Das kammermusikalische Paradigma

Geschrieben von um 18:21 Uhr

Gabriel Prokofiev, String Quartet No. 1 Zu den Klängen, die mich aufstören und begeistern, gehören auch Streichquartette: “Der Tod und das Mädchen” von Franz Schubert, “Company” von Philip Glass und “String Quartet No. II” von Michael Nyman. Und seit einiger Zeit die Streichquartette von Gabriel Prokofiev. Der Komponist (Enkel von Sergeij) arbeitet an dem Versuch, europäische Konzertmusik des 20. Jahrhunderts und aktuelle Elektronika-Genres zusammenzuführen. Dafür hat er das  Label Nonclassical gegründet und veröffentlicht unter Pseudonym Dance- und Electronica-Tracks. In der Szene junger Komponisten von Neuer Musik ist er bekannt geworden mit Stücken wie “Concerto for Turntable & Chamber Orchestra”, “3 Dances for Quintet & DJ” und diesen beiden Streichquartetten.

Gabriel Prokofiev, String Quartet No. 2

Zum Konzept der Streichquartette gehört es, das vom Elysian Quartet eingespielte Material anderen Musikern zum Remixen zu geben und die — ausnahmslos überdurchschnittlichen — Ergebnisse gleichberechtigt auf dem Tonträger zu veröffentlichen. Gabriel Prokofiev steuert auf jedem der beiden Alben einen eigenen Remix bei — einmal Hiphop-, einmal Non-House-Remix genannt. Diese Tracks spielen mit Rhythmik und Minimalismus, so dass der Klangschnipsel eines Streicherpizzicatos nach etwas Soundediting zum Mainbeat eines Dancetracks wird. Konzeptionell und musikalisch befinden sich diese beiden Alben weit jenseits des Üblichen, und sie zeigen Prokofievs Meisterschaft bei der Komposition und Rekomposition für das Streichquartett, den paradigmatischen Klangkörper der Kammermusik. Kaufbefehl!

Tags » , , , «

+