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22 | 07 | 2011

Version / Standard

Geschrieben von um 22:08 Uhr

Im klassischen und modernen Jazz werden häufig Standards gespielt. Das sind bekannte und erfolgreiche Kompositionen, die immer wieder von jüngeren Musikern aufgegriffen und neu interpretiert werden. In anderen Musikrichtungen ist die Neuaneignung von Tradition als Remix, Version oder Cover bekannt.

Vor allem in elektronischer Musik und hier in erster Linie in den verschiedenen Dancefloor-Genres gibt es zu jedem einigermaßen erfolgreichen Stück sofort Dutzende, teilweise hunderte Remixe. Ein kleiner Teil stammt von prominenten Producern und erscheint auf Maxi oder in Label-Compilations. Der größere Teil wird von Musikfans und Bedroom-Produzenten via Internet vertrieben.

2005 erschien die EP “Rej” des Produzentenduos Âme. Das Titelstück entwickelte sich binnen kurzem zu einem Clubhit, der bis heute hunderte von Remixes nach sich zog. Auch heute wird der Track in vielen Clubs gerne gespielt und ist damit ein Klassiker geworden. Einige Musiker haben sich von dem minimalistischen Track faszinieren lassen, ihn als Standard interpretiert und akustische Versionen arrangiert.

Der Originalmix  ist ein typisches Dancefloorbrett mit viel Groove und einem hypnotisch wirkenden Spannungsbogen. Das Arrangement von Christian Prommer (hier in einer Liveversion) behält den Groove und die “Move your Ass”-Atmosphäre des Originals bei, umspielt die gnadenlose Spannung mit Improvisationsmäandern. Das  Sonar Kollektiv Orchester geht ganz anders vor. Es verwandelt “Rej” in eine Klangkathedrale, die auch ein Komponist aus dem Umfeld der Minimal Music geschaffen haben könnte.

Viel Spaß beim Hören. PLAY IT LOUD!

Âme – Rej / Christian Prommer – Rej / Sonar Kollektiv Orchester – Rej

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05 | 02 | 2010

Antonius in der Wüste, tanzend

Geschrieben von um 21:34 Uhr

Ruhige Grooves, zurückhaltende Echoes, kontemplative Reeds — “The Embassadors“, die international besetzte Jazzband des  Saxophonisten und Klarinettisten Hayden Chisholm, hat mit “Coptic Dub” eine der besten Platten 2009 aufgenommen. Neben der üblichen Besetzung des Sextetts mit Nils Wogram an der Posaune hat hier Burnt Friedman als Produzent kräftig mitgespielt. Der Kölner Musikgrenzgänger gehört mit seinem Label Nonplace und seinen diversen Projekten und Kollaborationen — unter anderem mit Jaki Liebezeit (Can) — eher zu den Elastikern als den Elektronikern.

Gemeinsam mit Friedman betritt Chisholm bereits seit einiger Zeit neue Wege. Der eher traditionell klingende Jazz früherer Alben verschwindet mehr und mehr im Hintergrund. Das bereits ziemlich nach “Noo Jazz” klingende Album “Heaps Dub” des Quartetts “Root 70” war ein erster Schritt. Das Sextett geht weiter und schafft einen arabesken Klang, dessen nur mäßig bewegte Grooves an molltönende Barsounds erinnern, gespielt zum Sonnenaufgang in einer flachen Steinwüste. Der koptische Dub ist kaum noch in einem Raster der Stile und Genres bestimmbar. Aber er findet sich auf einer der besten Platten des letzten Jahrzehnts.

The Embassadors -  Coptic Dub

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22 | 01 | 2010

Synthese mit Sequencer

Geschrieben von um 21:24 Uhr

Wolfgang Haffner - Round SilenceDie kreative Verbindung aus Improvisationsmusik und Sequencersounds heißt Nu Jazz und gerinnt viel zu oft zu einer im musealen Klischee erstarrten Retromucke. In diese Falle gerät der Schlagzeuger Wolfgang Haffner nicht. Er gehört zu den international gefragten Jazzern und konnte mit Roy Ayers, Klaus Doldinger, Jan Garbarek, Albert Mangelsdorff, Pat Metheny, Lalo Schifrin, McCoy Tyner und Fred Wesley spielen. Außerdem erarbeitete er sich ein eigenständiges Profil als Komponist und Produzent von klischeefreiem Nu Jazz, der zahlreiche Einflüsse aus den elektronischen Genres integriert. Vor vier Jahren startete er mit “Shapes” einen Ausflug in die Welt der elektronischen Barsounds, deutlich inspiriert von Deep House und Drum&Bass. 2008 erschien “Acoustic Shapes“, eine Übersetzung der Lounge-Klänge für ein klassisches Jazztrio mit Lars Danielsson am Bass und Hubert Nuss am Piano. Das neue Album “Round Silence” experimentiert ebenfalls mit Musik aus verschiedenen Quellen und ist eine geglückte Synthese aus den beiden letzten Platten — also Jazz ohne Beiwort.

Wolfgang Haffner – Round Silence

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