Tag-Archiv für » Funk «

05 | 08 | 2011

Australopithecus Aethiopicus

Geschrieben von um 13:54 Uhr

Noch mehr Afrofunk aus Australien, nur echt mit angerauten Bläsersätzen und perkussiven Gitarrenriffs. Die Shaolin Afronauts mögen offensichtlich die semiotische Verrätselung mit modernen Mythologemen – allein Bandname und LP-Titel nennen vier Stück. Aber im Prinzip geht es nur darum, ein wenig geheimnisvoll zu sein, mit Kapuzen aufzutreten und die Namen der Musiker nicht zu nennen.  Trotz solcher Spielereien: Die Afronauten spielen enorm funky und grooven, was das Zeug hält. Die Klangfarbe der ganzen Produktion erinnert an Ethiojazz aus den späten 1960ern, mit einer Prise von Mingus’ Auffassung des Ensemblespiels und einem an modernen Clubsounds orientierten  Schlagwerk. Über der Polyrythmik schwebt ein ungemein individueller, intelligent improvisierter und agil gespielter Jazzfunkjazz. Die Afronauten überlassen es jedem selbst, zu ihrer Musik zu tanzen oder einfach nur hinzuhören.

Journey Through Time by Freestyle Records

Shaolin Afronauts – Flight Of The Ancients

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30 | 07 | 2011

Aussiefunk mit Afrobeat

Geschrieben von um 14:41 Uhr

Afrofunk in Australien? Das 10köpfige Ensemble “The Liberators” kommt aus Down Under Sydney, der neuen Adresse für die Liason von knackigem Afrobeat und messerscharfen Funksounds. Auf Soundcloud findet sich gleich das ganze Album in voller Länge und höchster Klangqualität. Deshalb hat es dann auch einige Zeit gedauert, bis ich mich für ein Stück als Hörprobe entscheiden konnte. Nehme ich jetzt das chillig aus der Hüfte loungende “Let it go”, das Crimejazz-Anthem “Bulletproof”, den energiegeladenen Dancefloor-Stomper “Multiculture” oder etwas ganz anderes – zum Beispiel die Afrobeat-Hommage “Denga”? Schließlich habe ich mich für “Bulletproof” entschieden, eine Funkjazz-Variation mit einem wirklich schönen Tenorsolo. Die Schwierigkeit, ein besonders gutes Stück auszuwählen, spricht eindeutig für das Album, denn es ist von gleichbleibender Kraft – kein schwaches Stück zwischendurch, keine Komprimisse.

THE LIBERATORS – Bulletproof by The Liberators – Afrofunk

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09 | 08 | 2010

Hochspannungsgleichstromjazz

Geschrieben von um 21:04 Uhr

Es gibt diese besonderen Momente auf Jazzkonzerten. Dann legt sich eine eigentümliche Stille über das Publikum und die Musiker. Nur noch die Musik erklingt, weder Hintergrundgeräusche noch das Klackern der Bierflaschen, weder aufgeregtes Gekicher noch zustimmende Rufe sind zu hören. Sogar das Gemurmel der Freaks, die ihren Nachbarn ungefragt erklären, welcher Musiker mit welchen anderen Musikern auf welcher Platte zusammengespielt hat, verschwindet wie das langsam verebbende Rauschen einer Maschine, der man den Strom abdreht. Für die paar Dutzend oder paar 100 Leute existiert ausschließlich Musik.  In solchen Momenten spielen die Musiker wie unter Hochspannung. Die Musik scheint lauter zu werden, deutlicher zu klingen, den Körper ganz einzuhüllen. Sie ist jetzt ein Universum kurz vor dem Urknall: Gefüllt mit unendlich viel Energie, aber gleichzeitig vollkommen ruhig, zurückgenommen, in sich verschlossen. Und dann plötzlich

Lloyd Miller & The Heliocentrics- Electricone by Strut

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19 | 07 | 2010

The Real Kick-Ass

Geschrieben von um 20:47 Uhr

Oh! Mann! Das ich das noch erleben darf: Ein Album, das mich sofort (und zum Erstaunen meines Sohnes) beim ersten Anhören auf die teppichbewehrte & sofaumzäunte Tanzfläche im Wohnzimmer gerissen hat. Lack of Afro, das ist der britische Multiinstrumentalist und Funk-Frickler Adam Gibbons.  Der Mann weiß, was er tut: Er orientiert sich ebenso wie die britischen New Mastersounds und die Niederländer Lefties Soul Connection an klassischen Funksounds und modernen Breakbeats. Bei dieser Mischung ist mitgrooven Pflicht. Auch meinen 20 Monate alten Sohn packt diese Musik. Sobald die ersten Takte der schnelleren Stücke erklingen, stellt er sich in Richtung Boxen auf und wippt begeistert grinsend in den Knien. George Clinton hatte Recht: „Move Your Ass And Your Mind Will Follow.“

Lack of Afro – My Groove Your Move by Freestyle Records

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09 | 06 | 2010

Freunde der zünftigen Blasmusik

Geschrieben von um 21:42 Uhr

“I bin Bauersbauern Dirndl / du bist Bauersbauern Bua / Mog di gern / doch de Stravanzerl / san ma gnua / san ma gnua.” Gäbe es nicht die Website, ich hätte keine Ahnung, was genau der Text von “Bauersbua” bedeutet. Aber egal. Hauptsache, es rockt. Und es rockt ganz gewaltig, was die  – nun ja – Blaskapelle “La Brass Banda” auf die Bühne bringt. Die fünf Musiker Olli, Sepp, Hans, Yossarian und Manu aus Oberbayern spielen eine eigenständige Kreuzung aus Jazz und Funk mit Anleihen bei Hip Hop und Elektronika. Wer Referenzen haben will: Youngblood Brass Band und Hypnotic Brass Ensemble. Allen anderen sei zu dieser Platte geraten und dem Besuch der Konzerte. Hier haben wir einen Fall von Volksmusik, die weder tümelt noch stadelt, schlagert oder kitscht.

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23 | 02 | 2010

Zuhause in der Feindschaft

Geschrieben von um 23:44 Uhr

Dark but fresh — so muss ich es wohl ausdrücken. Ein beeindruckendes Album mit Musik aus dem Sounduniversum des Dubstep und sehr persönlichen Texten über die privaten Dämonen von Gil Scott-Heron. Er gehört eigentlich zu meinen Helden von früher; Erfinder des später Rap genannten Sprechgesangs, wichtigster Vertreter des politischen Soul und Funk der 1970er Jahre, Erfinder der popkulturell legendären Hookline “The revolution will not be televised“. Offen gestanden: Ich hatte vermutet, er sei bereits tot. Und dann die Wiederauferstehung mit einem dunklen, aber unglaublich lebendigen Album. Zu verdanken haben wir dies Richard Russell von XL Recordings (u. a.  Radiohead, Vampire Weekend, M.I.A., Dizee Rascal), der Scott-Heron überredete, nach Absitzen einer Strafe wegen Drogenbesitzes ein Album aufzunehmen. Nun ist er also wieder zurück und zeigt erneut: Home is where the hatred is.

Video:  “Me And The Devil” & ”Your Soul And Mine”

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06 | 11 | 2009

Shaolin Jazz

Geschrieben von um 23:28 Uhr

El Michels Affair - Enter the 37th ChamberIm Moment ist die akustische, soul/jazz-orientierte und kongeniale Neuinterpretation von Clubklassikern verschiedenster Genres ziemlich angesagt. Und nun sind auch die Superhits des Wu-Tang Clans als Organic Grooves zu hören, 16 Jahre nach dem Debütalbum “Enter the Wu-Tang (36 Chambers)”. Das Werk ist sogar Wuproofed, denn die Band “El Michels Affair” mit Musikern aus dem Umfeld von Daptone Records, Budos Band und Menahan Street Band ist eine Zeitlang mit Raekwon und anderen Clan-Mitgliedern getourt. Das Projekt des Saxophonisten und Organisten Leon Michels schafft es tatsächlich, den Hip Hop-Klassikern neues, vorwiegend instrumentales Leben einzuhauchen.

El Michels Affair – Enter The 37th Chamber

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06 | 06 | 2008

In der Klangkathedrale

Geschrieben von um 0:33 Uhr

Repetitiver Jazz? Allerdings!

Ein regelmäßig wiederkehrendes, in Endlosfolge hintereinander gespieltes musikalisches Motiv heißt im Jazz “Vamp”. Es ist als Fundament für die Improvisationsgebirge der Solisten gedacht und wird nur selten wie ein Loop in der elektronischen Musik eingesetzt.

Das bekannteste Beispiel eines konsequent durchgespielten Vamps findet sich in dem Megaklassiker “Take Five” (auf “Time Out”, 1959) des Dave Bruebeck Quartets. Das Endlosspiel des Pianisten Brubeck macht den ungewöhnlichen 5/4-Takt für die Hörer leichter erfahrbar und ist sicher ein Grund für den Erfolg des Stücks. weiterlesen

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18 | 05 | 2008

James Last in Los Angeles

Geschrieben von um 18:16 Uhr

Natürlich gab es einen Partyraum im Keller. Die Treppe hinunter, dann geradeaus, durch die schmale Türe hindurch. Eine kleine Katakombe; Wände und Decke mit heller Tanne vertäfelt und hinter dem Holz Schallschutzmatten, um die Nachbarn nicht zu stören. Hier wurde alle paar Wochen gefeiert, immer in kleinem Kreis, denn mit acht Personen war der Raum schon überfüllt. Da praktisch alle Leute damals rauchten, als ob sie dafür bezahlt würden, war der Duft von frischem Harz schon nach der fünften oder sechsten Feier weg. Jetzt roch es die ganze Zeit wie nach der Party — als sei der letzte Bläsersatz gerade verklungen und der Plattenspieler drehe langsam aus. weiterlesen

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16 | 05 | 2008

Schmerzjazz

Geschrieben von um 17:47 Uhr

The Budos Band ist klingt originaler als das Original. Die Kapelle spielt 70er Jahre Crimejazz aus B-Filmen, einmal Blaxploitation und zurück. Diese Band hat sich ganz dem Dreieck aus Funk und Jazz und Soul verschrieben. Das neue, zweite Album verarbeitet zudem Einflüsse aus Afrofunk und Ethiojazz. Wie auch beim Erstling nutzen die Instrumentalisten den warmen, voluminösen Sound der vollanalogen Daptone-Studios in Brooklyn, New York. Sie spielen ihre Stücke wie zu den Zeiten, als noch Blut floß auf Konzerten, als noch Seelen abgefackelt wurden, als die Leute noch schrien bei einem besonders fantastischen Riff. Es geht hier um Wüstenjazz; um heißen, glühenden, lodernden, tosenden Schmerzjazz.

The Budos Band – II

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