Tag-Archiv für » Bigband «

24 | 07 | 2009

Hypnotic Underground

Geschrieben von um 21:51 Uhr

Hypnotic Brass Ensemble Es hat ein wenig gedauert mit dem offiziellen Debut des Hypnotic Brass Ensemble. Nach einigen selbst vertriebenen EPs musste sich erst Damon Albarn in den Livesound des Oktets verlieben, damit bei Honest Jon ein professionell produziertes Album als CD, MP3 und Vinylplatte erscheinen konnte. In der Brassband spielen neben dem Schlagzeuger sieben Brüder, nämlich die Söhne des Trompeters und zeitweiligen Members of the Sun Ra Arkestra, Phil Cohran. Er gehörte Mitte der 1960er Jahre zur den Gründern der “Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM)”, einer Vereinigung von Freejazz-Musikern, die sich unter anderem der Nachwuchsförderung verschrieben hat. Die jungen Musiker kommen jedoch aus einer anderen Tradition — aber es ist vielleicht besser, sie zu hören. Wenn sie nicht gerade auf einer Welttournee durch Europa sind, stehen sie regelmäßig auf irgendeinem Platz oder U-Bahnhof in New York oder Chicago und geben ein Free Concert.

Hypnotic Brass Ensemble

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10 | 07 | 2009

Nordic Jazz Thing

Geschrieben von um 21:25 Uhr

Geir Lysne Listening Ensemble - The Grieg CodeKlassik goes Jazz? Da gehe ich normalerweise lieber aus dem Weg. In diesem Fall ist es jedoch anders, denn bei dem sehr umtriebigen Label ACT ist eine kongeniale Produktion erschienen, die alle Klischees vermeidet. Keine zwitschernde Morgenstimmung also. Im Gegenteil, es ist echter Nordic Jazz mit unterkühlten, horizontlosen Klanglandschaften und einem satten Groove.  Der norwegische Saxophonist, Komponist und Bigband Leader Geir Lysne bearbeitete für eine Auftragsarbeit die Musik des norwegischen Romantikers Edvard Grieg. Er legte die Kompositionen unter das Jazzmikroskop und präparierte vorsichtig einige Elemente heraus. Durch Verfremdung, Transponierung, Time-Stretching, kantige Phrasierung und vor allem das voluminöse, in allen Klangfarben schillernde Spiel seines 13köpfigen “Listening Ensembles” entstand ein Bigband-Werk mit einem völlig eigenen Charakter. Zusammen mit dem “Andromeda Mega Express Orchestra” und  “Darcy James Argue’s Secret Society” die Brassound-Entdeckung des Jahres für mich.

Geir Lysne Listening Ensemble — The Grieg Code

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01 | 07 | 2009

Kleine Soziologie des Ensemblespiels

Geschrieben von um 20:05 Uhr

The Andromeda Mega Express Orchestra - Take OffDas nenne ich Eklektizismus reinster Sorte: Musik wie aus einem Tex Avery Comicfilm, die Theatralik des Sun Ra Arkestra, das orchestrale Geflirre Bela Bartoks oder Anton Weberns und das Ensemblespiel der Swingtime mit ganz viel musikalischer Kraft zu einem Cocktail mischen und das alles dem geneigten Hörer mit einem multinationalen, 20köpfigen Orchester aus Jazzern und Klassikern überreichen. Fantastisch. Umwerfend. Charmant. Das “Andromeda Mega Express Orchestra” des Komponisten Daniel Glatzel ist der Versuch, einfach mal was Neues und Eigenes zu machen. Er sucht seine Vorbilder nicht dort, wo sie im Postjazz gemeinhin herkommen und so ist “Take Off” ist eine irrwitzig energiereiche Platte, die mir die Kopfhörer an den Ohren festgebrannt hat — das passiert nicht alle Tage, so dass ich es hiermit öffentlich dokumentiere.

The Andromeda Mega Express Orchestra — Take Off

Und live sieht das Ganze so aus:

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29 | 06 | 2009

Geheimgesellschaft

Geschrieben von um 21:49 Uhr

Darcy James Argue's Secret Society - Infernal MachinesWenn eine Postjazz-Bigband auf ihrem Myspace-Profil in der Rubrik “Einflüsse” neben Charlie Mingus, Wayne Shorter und Kenny Wheeler auch Tortoise, David Lynch und David Foster Wallace angibt, kann es sich nur um einen Pflichtkauf handeln. Und wirklich: Die 18 Musiker um den Komponisten Darcy James Argue zeigen auf dem Debut-Album der “Secret Society“, dass sie bei der derzeitigen Runderneuerung des Jazz ganz vorne dabei sind. Der Titel des Albums ist eine Anspielung auf John Philip Sousa (1854 – 1932), ein amerikanischer Marschmusikkomponist. Die Höllenmaschinen glänzen hier durch Abwesenheit, die Musik entsteht nach alter Bigband-Sitte unter Konzertbedingungen.

Doch die Secret Society böte keinen Postjazz, wenn hier nicht das ferne Wetterleuchten populärer Musikstile des späteren 20. Jahrhunderts zu spüren wäre. “Phoebus” (Anspieltipp 1) zum Beispiel ist Jazz, der seine Verwandschaft mit den komplizierten Snaredrumpattern und irisierenden Klangflächen des Drum&Bass nicht verleugnet. Bei “Redeye”  stehen zu gleichen Teilen (früher) Pat Metheny und Tortoise Pate. Und “Transit” (Anspieltipp 2) bietet die ganz große musikalische Geste mit Pathos und perfektem Ensemblespiel. Und wer genau hinhört, erkennt im Hintergrund einiger Stücke die charismatischen Arpeggios von Philip Glass.

Darcy James Argue’s Secret Society — Infernal Machines

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18 | 05 | 2008

James Last in Los Angeles

Geschrieben von um 18:16 Uhr

Natürlich gab es einen Partyraum im Keller. Die Treppe hinunter, dann geradeaus, durch die schmale Türe hindurch. Eine kleine Katakombe; Wände und Decke mit heller Tanne vertäfelt und hinter dem Holz Schallschutzmatten, um die Nachbarn nicht zu stören. Hier wurde alle paar Wochen gefeiert, immer in kleinem Kreis, denn mit acht Personen war der Raum schon überfüllt. Da praktisch alle Leute damals rauchten, als ob sie dafür bezahlt würden, war der Duft von frischem Harz schon nach der fünften oder sechsten Feier weg. Jetzt roch es die ganze Zeit wie nach der Party — als sei der letzte Bläsersatz gerade verklungen und der Plattenspieler drehe langsam aus. weiterlesen

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