Tag-Archiv für » Ambient «

22 | 01 | 2010

Synthese mit Sequencer

Geschrieben von um 21:24 Uhr

Wolfgang Haffner - Round SilenceDie kreative Verbindung aus Improvisationsmusik und Sequencersounds heißt Nu Jazz und gerinnt viel zu oft zu einer im musealen Klischee erstarrten Retromucke. In diese Falle gerät der Schlagzeuger Wolfgang Haffner nicht. Er gehört zu den international gefragten Jazzern und konnte mit Roy Ayers, Klaus Doldinger, Jan Garbarek, Albert Mangelsdorff, Pat Metheny, Lalo Schifrin, McCoy Tyner und Fred Wesley spielen. Außerdem erarbeitete er sich ein eigenständiges Profil als Komponist und Produzent von klischeefreiem Nu Jazz, der zahlreiche Einflüsse aus den elektronischen Genres integriert. Vor vier Jahren startete er mit “Shapes” einen Ausflug in die Welt der elektronischen Barsounds, deutlich inspiriert von Deep House und Drum&Bass. 2008 erschien “Acoustic Shapes“, eine Übersetzung der Lounge-Klänge für ein klassisches Jazztrio mit Lars Danielsson am Bass und Hubert Nuss am Piano. Das neue Album “Round Silence” experimentiert ebenfalls mit Musik aus verschiedenen Quellen und ist eine geglückte Synthese aus den beiden letzten Platten — also Jazz ohne Beiwort.

Wolfgang Haffner – Round Silence

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27 | 10 | 2009

Helden von früher: Pat Metheny

Geschrieben von um 19:12 Uhr

Pat Metheny - Offramp

Köln an einem klaren, trockenen Winterabend Ende 1982. Wir sind zu viert: Jule, Belana, Adrian und ich. Wir wollen erst ins Kino und dann auf die Ringe. Der Citroën kommt nur langsam vorwärts und zockelt gemächlich über die Zoobrücke. Es ist halb acht Uhr abends an einem Samstag, es ist dichter Verkehr. Andere Wagen mit anderen Leuten aus anderen Kleinstädten und Dörfern begleiten uns. Wie von Schienen geführt rollen wir in die große Stadt. Köln glitzert; mehr als sonst, denn viele Straßen und Gebäude sind weihnachtlich erleuchtet. Der Wagen hinter uns strahlt grell in unseren hinein. Er hat es eilig. Bald werden wir ankommen. weiterlesen

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19 | 10 | 2009

Wen die Götter beneiden

Geschrieben von um 22:02 Uhr

e.s.t. esbjörn sevnsson trio - retrospective

e.s.t.  — das Esbjörn Svenson Trio — hat genau den Jazz gespielt, den ich heiß und innig liebe: Seelenvoll, groovy, trickreich und offen für Ausflüge abseits der ausgetretenen Pfade; aber niemals betoniert und borniert. Auf dem neuen und allerletzten e.s.t.-Album gibt es einen schönen Rückblick auf die wenigen Jahre mit dieser Band. Es ist eine musikalische Reise durch Drum&Bass-inspirierten Ambientjazz, Triostücke mit einem perlenden Leadpiano für die Kopfnickerfraktion und schließlich das Titelstück des letzten Albums “Leucocyte” — ein großer Wurf, noisy und dreckig, in zwei Tagen freier Studiozeit von Esbjörn Svensson (Piano), Dan Berglund (Bass) und Magnus Öström (Drums) hinreißend aus dem Ärmel improvisiert.

e.s.t. – retrospective

Esbjörn Svensson — 16. April 1964 – 14. Juni 2008

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16 | 08 | 2009

Knistern und Brausen

Geschrieben von um 21:37 Uhr

Moritz von Oswald Trio - Vertical Ascent

Knister-Ambient? Frickel-Elektronik? Robotik-Freejazz? Zeitlupen-Dubtechno? Keine Ahnung, wie sich das Genre nennt, aber die 4-Track-EP “Vertical Ascent” des Moritz von Oswald Trios hat mich; vor allem die beiden ziemlich tricky pulsierenden Stücke “Pattern 1″ und “Pattern 3″. Lustig, dass dieses ziemlich anspruchsvolle Elektronikwerk ebenso wie das Album des Hypnotic Brass Ensemble und eine ganze Serie liebevoll in dickes Vinyl geschnittener Moondog-Platten bei Honest Jon erschienen ist. Lustig vor allen Dingen deswegen, weil ich mit dem Britpop des Label-Teilhabers Damon Albarn eigentlich nichts anfangen kann — da sind mir zu viele Gitarren im Spiel.

Moritz von Oswald Trio — Vertical Ascent

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09 | 09 | 2008

Verteidigung des Lebens

Geschrieben von um 19:32 Uhr

In Gedenken an Esbjörn Svensson (* 16. April 1964, † 14. Juni 2008)

So geht das: Drei fantastische Musiker (Das Esbjörn Svensson Trio mit Esbjörn Svensson am Klavier, Dan Berglund am Bass und Magnus Öström am Schlagzeug) betreten Anfang 2007, mitten im australischen Sommer, ein Studio in Sydney und spielen zwei Tage lang die Festplatte voll. Anschließend nehmen sie das Ergebnis und kneten es noch ein wenig, verfremden es mit Geräuschen aus Transistorradios und elektronischen Schaltkreisen. So geht das: Eines der besten Alben des Jahres 2008 einspielen. Manchmal mehr Drum’n'Bass, immer ein bißchen melancholisch, oft auf eine angenehme Weise frickelig und ganz auf der Höhe der Zeit. Diese Musik wird uns in Zukunft fehlen.

Esbjörn Svensson Trio (E.S.T.) – Leucocyte

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12 | 07 | 2008

Helden von früher: Marc Ribot

Geschrieben von um 21:54 Uhr

Ein altes Lieblingsstück von mir ist “Yo, I killed your God” von Marc Ribot & The Rootless Cosmopolitans vom 1992er Album “Requiem for What’s His Name”. Vor einiger Zeit ist mir der Titel wieder in den Sinn gekommen. Ich habe ihn als MP3 kodiert und dann zusammen mit einem Riesenhaufen Partisanjazz (Playlist) auf den Player meiner 16jährigen Patentochter kopiert — mehr als 50 für mich bedeutungsvolle Stücke; ein Riesenbrocken digitalisierter Vergangenheit und Gegenwart. weiterlesen

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12 | 06 | 2008

Könnte Jazz sein

Geschrieben von um 21:43 Uhr

Elektronische Musik — das ist Neueste Musik mit einer großen, fast ins Unendliche reichenden Bandbreite. Das Spektrum beginnt bei Reisen durch Klanglandschaften aus zart knisternden Sounds und endet bei schweißtreibenden Stompern mit mächtig viel Wumm. Irgendwo dazwischen steht Hannes Strobl und schickt uns mit dem Nachtzug nach Berlin. Er sorgt dabei für ausreichend viel Ruhe. Die Tracks seines aktuellen Albums haben Zeit, unglaublich viel Zeit. Langsam zieht die Musik am Ohr vorbei, ist mehr Landscape als Ambient. Früh am Morgen kommen wir an, stehen langsam auf, strecken die Glieder und widmen uns unseren Aufgaben. Der Bassist Strobl gründet mit Stimmwunder und Noise-Music-Legende David Moss und dem Schlagzeuger Hanno Leichtmann die Impro-Gruppe “Denseland“.

Hannes Strobl – Nachtzug Berlin

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16 | 05 | 2008

Melancholie & Verweigerung

Geschrieben von um 17:25 Uhr

The Cinematic Orchestra arrangiert in bisher vier Alben (Motion, Every Day, Man With the Movie Camera, Ma Fleur) eine lange Reise über den Ozean des Klangs. Das erste Album ist noch ganz einem idealisierten Jazz verpflichtet, so dass es wie ein Impulse-Album klingt, sofern es heute noch Impulse-Alben gäbe. Das zweite Album geht weiter, viel weiter: Es ist Fusion, es ist elektrisch beseelter Blues, es ist ein leicht melancholischer Groove, gemischt mit dem Knistern einer alten Vinylplatte und dem Widerschein von Hip Hop. Das dritte Album markiert einen Übergang, denn die Geschichte vom Kameramann ist ein Moviesoundtrack, eher ein funktionaler Hintergrund als ein Konzert, Music for Showrooms gewissermaßen. Das letzte Album Ma Fleur wirkt durch seine störrische Verweigerung von Sperrigkeit wie ein radikales Gesamtkunstwerk aus sanft swingender Ambient Music; Jazz kurz vor der Selbstauflösung, vor dem Verschwinden am Ereignishorizont.

The Cinematic Orchestra – Ma Fleur

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