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23 | 02 | 2010

Zuhause in der Feindschaft

Geschrieben von um 23:44 Uhr

Dark but fresh — so muss ich es wohl ausdrücken. Ein beeindruckendes Album mit Musik aus dem Sounduniversum des Dubstep und sehr persönlichen Texten über die privaten Dämonen von Gil Scott-Heron. Er gehört eigentlich zu meinen Helden von früher; Erfinder des später Rap genannten Sprechgesangs, wichtigster Vertreter des politischen Soul und Funk der 1970er Jahre, Erfinder der popkulturell legendären Hookline “The revolution will not be televised“. Offen gestanden: Ich hatte vermutet, er sei bereits tot. Und dann die Wiederauferstehung mit einem dunklen, aber unglaublich lebendigen Album. Zu verdanken haben wir dies Richard Russell von XL Recordings (u. a.  Radiohead, Vampire Weekend, M.I.A., Dizee Rascal), der Scott-Heron überredete, nach Absitzen einer Strafe wegen Drogenbesitzes ein Album aufzunehmen. Nun ist er also wieder zurück und zeigt erneut: Home is where the hatred is.

Video:  “Me And The Devil” & ”Your Soul And Mine”

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05 | 02 | 2010

Antonius in der Wüste, tanzend

Geschrieben von um 21:34 Uhr

Ruhige Grooves, zurückhaltende Echoes, kontemplative Reeds — “The Embassadors“, die international besetzte Jazzband des  Saxophonisten und Klarinettisten Hayden Chisholm, hat mit “Coptic Dub” eine der besten Platten 2009 aufgenommen. Neben der üblichen Besetzung des Sextetts mit Nils Wogram an der Posaune hat hier Burnt Friedman als Produzent kräftig mitgespielt. Der Kölner Musikgrenzgänger gehört mit seinem Label Nonplace und seinen diversen Projekten und Kollaborationen — unter anderem mit Jaki Liebezeit (Can) — eher zu den Elastikern als den Elektronikern.

Gemeinsam mit Friedman betritt Chisholm bereits seit einiger Zeit neue Wege. Der eher traditionell klingende Jazz früherer Alben verschwindet mehr und mehr im Hintergrund. Das bereits ziemlich nach “Noo Jazz” klingende Album “Heaps Dub” des Quartetts “Root 70” war ein erster Schritt. Das Sextett geht weiter und schafft einen arabesken Klang, dessen nur mäßig bewegte Grooves an molltönende Barsounds erinnern, gespielt zum Sonnenaufgang in einer flachen Steinwüste. Der koptische Dub ist kaum noch in einem Raster der Stile und Genres bestimmbar. Aber er findet sich auf einer der besten Platten des letzten Jahrzehnts.

The Embassadors -  Coptic Dub

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