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23 | 06 | 2008

Jenseits des Studios

Geschrieben von um 23:44 Uhr

Wirklich gute Live-Alben sind selten. Meist ist es besser, das Geld dafür in ein Konzert zu investieren. Dies hier ist eine der seltenen Ausnahmen. Das irgendwo auf der Schnittstelle von Pop, Elektronik und Jazz balancierende Cinematic Orchestrea hat es nicht nur geschafft, die wunderschöne Jazz/Pop-Elektronik seiner vier Studio-Alben in einem grandiosen Konzert aufzuführen, sondern dieses Konzert auch noch in einem genialen Live-Album festzuhalten. Hier klingt kein Stück so wie auf der Platte, sondern ganz anders und neu interpretiert. Die schwermütige Kanzone “To Build A Home” zum Beispiel wird zu einer Folk-Ballade, das Ambient-Soundscape “The Man with the Movie Camera” zu live gespieltem Drum&Bass mit Snaregewittern und subsonischem Grummelbass. Kurz und gut: Live bietet das Cinematic Orchestra Spielfreude und Impovisation — aber vor allem Jazz abseits aller Klischees.

The Cinematic Orchestra – Live at the Royal Albert Hall

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13 | 06 | 2008

Wameru Study Center

Geschrieben von um 19:01 Uhr

Mit 6 war ich angehender Buschdoktor und hatte einen eigenen Tierpark. Elefanten, Braunbären, Pferde, eine zu klein geratene schwarzbunte Kuh, einen knuddelweichen Affen und ein getigertes Hauskätzchen, das ich in einem Akt des Nominalismus zum Löwen ernannte. Nur eine Giraffe fehlte mir lange Zeit. Da Löwen in meiner Vorstellung harmlose, schielende Lebewesen waren, beeindruckten mich die stelzbeinigen Langhälse viel mehr – vor allem, weil schon die Kälber größer waren als ich zu dieser Zeit. weiterlesen

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12 | 06 | 2008

Könnte Jazz sein

Geschrieben von um 21:43 Uhr

Elektronische Musik — das ist Neueste Musik mit einer großen, fast ins Unendliche reichenden Bandbreite. Das Spektrum beginnt bei Reisen durch Klanglandschaften aus zart knisternden Sounds und endet bei schweißtreibenden Stompern mit mächtig viel Wumm. Irgendwo dazwischen steht Hannes Strobl und schickt uns mit dem Nachtzug nach Berlin. Er sorgt dabei für ausreichend viel Ruhe. Die Tracks seines aktuellen Albums haben Zeit, unglaublich viel Zeit. Langsam zieht die Musik am Ohr vorbei, ist mehr Landscape als Ambient. Früh am Morgen kommen wir an, stehen langsam auf, strecken die Glieder und widmen uns unseren Aufgaben. Der Bassist Strobl gründet mit Stimmwunder und Noise-Music-Legende David Moss und dem Schlagzeuger Hanno Leichtmann die Impro-Gruppe “Denseland“.

Hannes Strobl – Nachtzug Berlin

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06 | 06 | 2008

In der Klangkathedrale

Geschrieben von um 0:33 Uhr

Repetitiver Jazz? Allerdings!

Ein regelmäßig wiederkehrendes, in Endlosfolge hintereinander gespieltes musikalisches Motiv heißt im Jazz “Vamp”. Es ist als Fundament für die Improvisationsgebirge der Solisten gedacht und wird nur selten wie ein Loop in der elektronischen Musik eingesetzt.

Das bekannteste Beispiel eines konsequent durchgespielten Vamps findet sich in dem Megaklassiker “Take Five” (auf “Time Out”, 1959) des Dave Bruebeck Quartets. Das Endlosspiel des Pianisten Brubeck macht den ungewöhnlichen 5/4-Takt für die Hörer leichter erfahrbar und ist sicher ein Grund für den Erfolg des Stücks. weiterlesen

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